CAR-T als Medikament von der Stange
Eine CAR-T-Zelltherapie gilt längst nicht mehr als exotische Option in der Klinik. Dennoch ist ihr Einsatz aufwendig und extrem kostspielig. Denn CAR-T-Zellen leiten sich von T-Zellen ab, die dem zu behandelnden Patienten entnommen werden. Im Labor werden die Zellen dann mit neuen Funktionen ausgestattet und dann dem Patienten wieder reinfundiert. Jetzt zeichnen sich deutliche Vereinfachungen ab.
Damit die im Labor veränderten T-Zellen nicht selbst vom Immunsystem angegriffen werden, müssen sie allerdings aus dem Blut des Patienten, der die Therapie erhalten soll, isoliert und exklusiv für diesen Patienten modifiziert werden. Um Platz für die Vermehrung der modifizierten Zellen zu schaffen, erhalten die Patienten vor der CAR-T-Behandlung zudem eine Chemotherapie, um unbearbeitete T-Zellen zu eliminieren.
Das könnte sich ändern, wie die Journalistin Cassandra Willyard aktuell in einem Beitrag im Wissenschaftsjournal »Nature« schreibt. Demnach zeichnet sich ein neuer Trend ab, CAR-T-Zellen nicht mehr im Labor herzustellen, sondern direkt im Körper des zu behandelnden Patienten zu generieren. Dies gelingt, indem die Bauanleitung für den artifiziellen T-Zell-Rezeptor den Immunzellen zugeführt wird, sodass diese das Protein synthetisieren und in die Zellmembran integrieren können.
Neuigkeiten aus der Sektion Multiples Myelom - Medizinische Klinik V - Universitätsklinikum Heidelberg
Dr. Jan Frenking hat für uns die Ergebnisse von 2 Studien kurz zusammengefasst:
- A German multicenter real-world analysis of talquetamab in 138 patients with relapsed/refractory multiple myeloma.
In dieser retrospektiven Real-World-Analyse konnten wir die Wirksamkeit und Sicherheit von Talquetamab (GPRC5DxCD3 BTCE) als Überbrückungs- oder Langzeittherapie bei RRMM, selbst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien bestätigen. Prophylaxen, unterstützende Maßnahmen und Möglichkeiten der Dosisanpassung sollten in vollem Umfang genutzt werden, um Nebenwirkungen zu reduzieren.
Link zur Publikation:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12005056/
Frenking JH, Riedhammer C, Teipel R, Bassermann F, Besemer B, Bewarder M, Braune J, Brioli A, Brunner F, Dampmann M, Fenk R, Gezer DN, Goldman-Mazur S, Hanoun C, Högner M, Khandanpour C, Kolditz K, Kos I, Krönke J, Kull M, Landrin V, Leitner T, Merz M, von Metzler I, Michel CS, Müller-Tidow C, Theurich S, Trautmann-Grill K, Wäsch R, Zukovs R, Hänel M, Rasche L, Raab MS. Hemasphere. 2025 Apr 17;9(4):e70114. doi: 10.1002/hem3.70114. PMID: 40248128; PMCID: PMC12005056
- Bridging intensity is associated with impaired hematopoietic recovery following BCMA CAR-T therapy for multiple myeloma.
In dieser multizentrischen internationalen Beobachtungsstudie untersuchten wir die Auswirkungen der Bridging Therapie auf die hämatopoetische Rekonstitution nach BCMA-gerichteter CAR T-Zelltherapie bei 158 Patienten mit RRMM.
Link zur Publikation:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40267180/
Frenking JH, Zhou X, Rejeski K, Wagner V, Costello P, Hielscher T, Gatti L, Kauer J, Nadeem O, Mai EK, Michel CS, Friedrich MJ, Sedloev DN, Weinhold N, Goldschmidt H, Herfarth K, Schmitt A, Hundemer M, Schmitt M, Müller-Tidow C, Topp MS, Einsele H, Dreger P, Munshi NC, Sperling AS, Rasche L, Sauer S, Raab MS. Blood Adv. 2025 Apr 23:bloodadvances.2024015732. doi: 10.1182/bloodadvances.2024015732. Epub ahead of print. PMID: 40267180.
Multiples Myelom: Erster trispezifischer Antikörper gegen BCMA × CD38 × CD3
Vollständige Daten zur Dosiseskalation zeigen anhaltend hohe Ansprechraten und ein günstiges Sicherheitsprofil von ISB 2001, einem ersten trispezifischen Antikörper gegen BCMA × CD38 × CD3, zur Behandlung von rezidiviertem/refraktärem multiplem Myelom.
Die TRIgnite-1-Studie zeigt eine Gesamtansprechrate (ORR) von 74 % über neun Dosierungsstufen hinweg bei stark vorbehandelten Patienten mit einer medianen Vorbehandlungsrate von sechs Therapielinien.
Die ORR ist bemerkenswert hoch bei Patienten ohne vorherige CAR-T- oder bispezifische Therapien (84 %) sowie bei Patienten, die zuvor T-Zell-gerichtete Therapien oder BCMA-gerichtete Therapien erhalten hatten oder auf eine Anti-CD38-Therapie nicht angesprochen hatten (Bereich: 71–73 %)
Das Sicherheitsprofil ist weiterhin günstig, wobei die Mehrheit der Patienten zum Zeitpunkt der Datenerhebung die Behandlung fortsetzt.
Die FDA hat kürzlich ISB2001 den Fast-Track-Status gewährt.
Carvykti beim mutliplen Myelom - Von palliativer Hoffnung zur potenziellen Heilung
Carvykti® (Ciltacabtagen Autoleucel) ist eine CAR-T-Zellzubereitung zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit multiplem Myelom. Jetzt wurden jetzt Daten veröffentlicht, die erstaunliche Effekte hinsichtlich der Gesamtüberlebensrate und des progressionsfreien Überlebens bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom im Vergleich zur Standardtherapie zeigen.
Forschende um Dr. Sundar Jagannath von der Icahn School of Medicine am Mount Sinai in New York berichten im Rahmen des Krebskongresses ASCO 2025 und zeitgleich im Wissenschaftsjournal »Journal of Clinical Oncology« über eine Subgruppenanalyse der Phase-I/II-Studie CARTITUDE-1 (NCT03548207). Demnach verbesserte Carvykti die Gesamtüberlebensrate und das progressionsfreie Überleben deutlich bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom im Vergleich zur Standardtherapie.
Multiples Myelom: Zulassungsempfehlung für Blenrep® (Belantamab-Mafodotin)
In seiner Sitzung im Mai 2025 hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung von 10 neuen Arzneimitteln empfohlen. Darunter auch Blenrep® (Belantamab-Mafodotin) für Patienten mit rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom:
Das Arzneimittel ist zur Behandlung des rezidivierten oder refraktären multiplen Myeloms vorgesehen – einer seltenen und bislang unheilbaren Krebserkrankung der Plasmazellen, die vor allem Menschen ab einem Alter von etwa 60 Jahren betrifft.
Belantamab-Mafodotin gehört zur Gruppe der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Es handelt sich um einen humanisierten monoklonalen IgG1κ-Antikörper, der gezielt an das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) auf der Oberfläche von Myelomzellen bindet. Über den angekoppelten zelltoxischen Wirkstoff mcMMAF (Maleimidocaproyl-Monomethylauristatin F) wird in der Zelle ein Zellzyklus-Stillstand ausgelöst und eine antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität induziert – die Krebszellen werden also gezielt zerstört.
In 2 randomisierten, offenen Phase-3-Studien konnte Blenrep seine Wirksamkeit unter Beweis stellen: In Kombination mit Bortezomib und Dexamethason oder mit Pomalidomid und Dexamethason verlängerte es signifikant das progressionsfreie Überleben. Der Nutzen zeigte sich bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Myelom, die bereits mindestens eine Vorbehandlung erhalten hatten.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören unter anderem Sehbeeinträchtigungen wie verminderte Sehschärfe, verschwommenes Sehen, Trockenheit der Augen, Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit und Augenreizungen. Auch Keratopathien – also Veränderungen an der Hornhaut – traten auf. Darüber hinaus wurden Thrombozytopenie, Neutropenie, Anämie sowie Durchfall beobachtet.