Multiples Myelom: BLENREP-Kombinationen BVd/BPd ab dem 1. Rezidiv verfügbar
Menschen mit Multiplem Myelom brauchen bei einem Rückfall (Rezidiv) oft wirksame Anschlussbehandlungen, um die Erkrankung wieder zu kontrollieren und das Überleben zu verbessern.
BLENREP (Wirkstoff: Belantamab-Mafodotin) ist eine zielgerichtete Therapie, die an BCMA (ein Merkmal auf Myelomzellen) bindet und als Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) einen Zellgift-Wirkstoff gezielt in Tumorzellen einschleust.
BLENREP ist in der EU für Kombinationstherapien zugelassen – und in Deutschland seit 1. April 2026 in zwei sogenannten Triplet-Kombinationen ab dem 1. Rezidiv verfügbar:
- BVd = Belantamab-Mafodotin + Bortezomib + Dexamethason
- BPd = Belantamab-Mafodotin + Pomalidomid + Dexamethason
Die Zulassung stützt sich auf die Phase-III-Studien DREAMM-7 und DREAMM-8, in denen diese Kombinationen im Vergleich zu etablierten Standard-Kombinationen das progressionsfreie Überleben (PFS) deutlich verlängerten; in DREAMM-7 wurde außerdem ein Überlebensvorteil (OS) berichtet.
Neue Methode zur besseren Überwachung bei „schwelendem Myelom“ (SMM)
Forschende unter Beteiligung des Universitätsklinikums Heidelberg haben ein neues Prognose-Werkzeug entwickelt, das Ärzteteams dabei unterstützen soll, Menschen mit schwelendem Multiplem Myelom (SMM) besser zu überwachen.
SMM ist eine Vorstufe des Multiplen Myeloms: Bei manchen Betroffenen bleibt sie über lange Zeit stabil, bei anderen kann sie in ein behandlungsbedürftiges Myelom übergehen.
Das neue Tool heißt PANGEA-SMM. Im Unterschied zu bisherigen Modellen, die oft nur eine Momentaufnahme von Laborwerten bewerten, betrachtet PANGEA-SMM Veränderungen über die Zeit („dynamisch“). Dafür nutzt es Laborwerte/Biomarker, die ohnehin in der Routine-Nachsorge erhoben werden. So soll sich das Risiko, ob die Vorstufe fortschreitet, genauer einschätzen lassen.
In der zugrunde liegenden Studie wurden Daten von 2.344 SMM-Patient:innen aus mehreren internationalen Zentren ausgewertet; Heidelberg stellte mit 447 Personen die größte Validierungskohorte. Das Team berichtet, vier dynamische Biomarker zuverlässig identifiziert zu haben (als Beispiel wird ein Rückgang des Hämoglobins genannt). PANGEA-SMM ordnet das Fortschreitungsrisiko dann individuell als hoch, mittel oder gering ein.
Stammzelltherapie beim Multiplen Myelom: Wann es auch (teilweise) ambulant gehen kann
Für viele Menschen mit Multiplem Myelom gehört die autologe Stammzelltherapie (mit körpereigenen Stammzellen) zu den wichtigen Behandlungsoptionen. Häufig ist diese Therapie jedoch mit längeren Krankenhausaufenthaltenverbunden – was für Patient:innen und Angehörige belastend sein kann.
Ein Forschungsteam aus Göttingen und Bielefeld hat nun untersucht, unter welchen Voraussetzungen bestimmte Schritte der Stammzelltherapie sicher ambulant durchgeführt werden könnten. Mithilfe von Methoden des Maschinellen Lernens wurden Daten aus der klinischen Versorgung ausgewertet, um besser vorhersagen zu können, wer ein höheres Risiko für Komplikationen hat – und wer möglicherweise ohne durchgehenden stationären Aufenthalt auskommen könnte. Ziel ist, Behandlungen individueller zu planen, unnötige Klinikzeit zu vermeiden und gleichzeitig die Sicherheit im Blick zu behalten.
Wichtig: „Ambulant“ bedeutet dabei nicht „ohne medizinische Betreuung“, sondern setzt eine enge Anbindung an das Behandlungsteam, klare Notfallwege und regelmäßige Kontrollen voraus.
Multiples Myelom: Herz-Kreislauf-Medikamente meist unproblematisch
Viele Menschen mit Multiplem Myelom nehmen zusätzlich Medikamente gegen Bluthochdruck, Herzschwäche oder erhöhte Cholesterinwerte ein. Häufig entsteht dabei die Sorge: „Machen diese Mittel meine Krebstherapie weniger wirksam?“
Ein aktueller Bericht (Deutsches Ärzteblatt, 26.03.2026) fasst Daten aus großen klinischen Studien mit insgesamt 1.804 Myelom-Patientinnen und -Patienten zusammen. Das Ergebnis ist beruhigend: Gängige Herz-Kreislauf-Medikamente – darunter Blutdruckmittel, Statine (Cholesterinsenker) und „Wassertabletten“ (Diuretika) – waren insgesamt nicht damit verbunden, dass die Myelomtherapie schlechter wirkt oder die Behandlungsergebnisse schlechter ausfallen.
Wichtig ist trotzdem: Einige Medikamentengruppen (vor allem ACE-Hemmer/Sartane und Diuretika) waren in der Auswertung häufiger mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden. Das heißt nicht, dass man sie absetzen sollte – aber es unterstreicht, wie wichtig eine gute Abstimmung zwischen Hämatologie/Onkologie, Hausarzt und ggf. Kardiologie ist. Blutdruck, Nierenwerte und Elektrolyte sollten bei Bedarf engmaschig kontrolliert werden.
Neue Generation von „Protein-Degradern“ beim Multiplen Myelom
Bei bestimmten Myelom-Therapien wird ein Prinzip genutzt, das man vereinfacht als „gezieltes Entsorgen“ bezeichnen kann: Medikamente können dazu beitragen, dass die Zelle bestimmte Eiweiße, die das Tumorwachstum unterstützen, abbaut.
Auf diesem Ansatz bauen bekannte Wirkstoffe wie Lenalidomid oder Pomalidomid auf. Nun werden neuere Substanzen aus der Gruppe der CELMoDs (z. B. Mezigdomid und Iberdomid) in klinischen Studien untersucht. Erste Zwischenergebnisse werden als ermutigend beschrieben – vor allem in Kombinationen bei Rückfall oder wenn Therapien nicht mehr ausreichend wirken.
Gleichzeitig laufen Studien, die prüfen, ob diese Wirkstoffe auch als Erhaltungstherapienach autologer Stammzelltransplantation geeignet sind.
Für Betroffene wichtig: Aktuell sind das Studienmedikamente bzw. Entwicklungen, deren Nutzen und Sicherheit weiter bestätigt werden müssen.