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Bispezifischer Antikörper

© iStock.com/Love Employee

Bispezifische Antikörper (manchmal auch „biopezifische“ genannt) sind moderne Medikamente, die zwei Ziele gleichzeitig erkennen. Beim Multiplen Myelom binden sie meist einerseits an Myelomzellen und andererseits an bestimmte Abwehrzellen (T-Zellen). So werden die körpereigenen Abwehrzellen gezielt in die Nähe der Myelomzellen gebracht, damit sie diese besser angreifen können.

Bispezifische Antikörper gehören zu den Immuntherapien. Sie werden in spezialisierten Zentren eingesetzt und erfordern besonders zu Beginn eine sorgfältige Überwachung, weil bestimmte Nebenwirkungen früh auftreten können.

In Europa sind (Stand: Mai 2026) mehrere bispezifische Antikörper zur Behandlung des rezidivierten oder refraktären Multiplen Myeloms zugelassen. Die genaue Anwendung hängt u. a. davon ab, welche Vorbehandlungen bereits erfolgt sind und welche Voraussetzungen im individuellen Fall vorliegen.

Zugelassene Wirkstoffe (Auswahl, EU):

  • Teclistamab (Tecvayli) – Zielstruktur: BCMA
  • Elranatamab (Elrexfio) – Zielstruktur: BCMA
  • Talquetamab (Talvey) – Zielstruktur: GPRC5D
  • Linvoseltamab (Lynozyfic) – Zielstruktur: BCMA

Cevostamab ist ein weiterer bispezifischer Antikörper (Zielstruktur FcRH5×CD3), der beim Multiplen Myelom in klinischen Studien untersucht wird. Da Cevostamab aktuell noch nicht zugelassen ist, ist ein Einsatz in der Regel nur im Rahmen von Studien möglich.

Linvoseltamab (Lynozyfic®)

Linvoseltamab (Lynozyfic®) ist ein bispezifischer Antikörper (auch „T-Zell-Engager“ genannt). Er bindet gleichzeitig an

  • BCMA (B-cell maturation antigen) auf Myelomzellen und
  • CD3 auf T-Zellen (Abwehrzellen),

und bringt beide eng zusammen. Dadurch werden T-Zellen aktiviert und können gezielt eine Immunreaktion gegen Myelomzellen auslösen.

Zulassung (EU) / Anwendungsgebiet

In der EU ist Lynozyfic® als Monotherapie zugelassen zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplen Myelom, die mindestens drei Vortherapien erhalten haben (inklusive Proteasom-Inhibitorimmunmodulatorischer Substanz (IMiD) und Anti-CD38-Antikörper) und deren Erkrankung unter der letzten Therapie fortgeschritten ist.

Elranatamab (Elrexfio®)

Elranatamab (Elrexfio®) ist ein bispezifischer Antikörper (auch „T-Zell-Engager“ genannt). Er bindet gleichzeitig an

  • BCMA (B-cell maturation antigen), das auf Myelomzellen häufig stark vorhanden ist, und
  • CD3 auf T-Zellen (Abwehrzellen),

und bildet dadurch eine „Brücke“ zwischen T-Zelle und Myelomzelle. So werden T-Zellen gezielt an die Tumorzelle herangeführt und können eine Immunreaktion gegen die Myelomzellen auslösen. 

Zulassung/Anwendungsgebiet (EU)

In der EU ist Elrexfio als Monotherapie zugelassen zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplem Myelom, die mindestens drei vorherige Therapien erhalten haben (darunter typischerweise IMiDProteasom-Inhibitor und Anti-CD38-Antikörper) und deren Erkrankung unter der letzten Therapie fortgeschritten ist.

Cevostamab

Cevostamab (auch: RG6160BFCR4350A) ist ein bispezifischer Antikörper (T-Zell-Engager), der beim Multiplen Myelom untersucht wird. Er ist derzeit noch nicht als Medikament zugelassen (weder EU noch USA) und wird ausschließlich im Rahmen klinischer Studien eingesetzt. 

Wie wirkt Cevostamab?

Cevostamab bindet gleichzeitig an zwei Strukturen:

  • FcRH5 (Fc receptor-homolog 5) auf Myelomzellen
  • CD3 auf T-Zellen (Abwehrzellen)

Dadurch werden T-Zellen in direkten Kontakt mit der Myelomzelle gebracht und können diese gezielter angreifen. Ein wichtiger Punkt: FcRH5 ist ein anderes Ziel als BCMA – daher wird Cevostamab auch bei Patient:innen erforscht, die bereits BCMA-gerichtete Therapien erhalten haben. 

Entwicklungsstand und Studien (Auswahl)

Für Cevostamab gibt es eine Orphan-Drug-Designation (Arzneimittel für seltene Erkrankungen) in der EU – das ist keine Zulassung, erleichtert aber die Entwicklung.

Aktuell laufen mehrere Studienprogramme, u. a.:

  • CAMMA 1 (u. a. Monotherapie und Kombinationen) – klinische Studien zu Sicherheit und Wirksamkeit bei r/r Myelom. 
  • CAMMA 2 – u. a. für Patient:innen, die bereits BCMA-Therapien erhalten haben. 
  • Es wird außerdem eine subkutane (unter die Haut) Anwendung untersucht.

Talquetamab (Talvey®)

Talquetamab (Talvey®) ist ein bispezifischer Antikörper (T-Zell-Engager), der gleichzeitig an

  • GPRC5D (ein Zielprotein, das bei vielen Myelomzellen stark vorhanden ist) und
  • CD3 auf T-Zellen (Abwehrzellen)

bindet. Dadurch werden T-Zellen direkt an die Myelomzellen herangeführt und aktiviert, sodass eine Immunreaktion gegen die Myelomzellen ausgelöst werden kann.

Zulassung / Anwendungsgebiet (EU)

Talvey® ist in der EU als Monotherapie zugelassen zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit rezidiviertem und refraktärem Multiplen Myelom, die mindestens drei Vortherapien erhalten haben (darunter ein Immunmodulator (IMiD), ein Proteasom-Inhibitor und ein Anti-CD38-Antikörper) und deren Erkrankung unter der letzten Therapie fortgeschritten ist. 

Teclistamab (Tecvayli®)

Teclistamab (Tecvayli®) ist ein bispezifischer Antikörper (T-Zell-Engager). Er bindet gleichzeitig an

  • BCMA (B-cell maturation antigen) auf Myelomzellen und
  • CD3 auf T-Zellen (Abwehrzellen),

und bringt beide Zelltypen eng zusammen. Dadurch werden T-Zellen aktiviert und können Myelomzellen gezielt angreifen.

Zulassung / Anwendungsgebiet (EU)

Tecvayli® ist in der EU als Monotherapie zugelassen zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit rezidiviertem oder refraktärem Multiplem Myelom, die mindestens drei Vortherapien erhalten haben (einschließlich IMiDProteasom-Inhibitor und Anti-CD38-Antikörper) und deren Erkrankung unter der letzten Therapie fortgeschritten ist.

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