🧩 Komplementär-, Alternativ- und Integrative Medizin
Begleitende Wege im Umgang mit dem Multiplen Myelom
Viele Menschen mit Multiplem Myelom wünschen sich zusätzlich zur medizinischen Behandlung Unterstützung, um ihr Wohlbefinden zu stärken, Nebenwirkungen zu lindern oder aktiv zur Genesung beizutragen. In diesem Zusammenhang werden Begriffe wie Komplementärmedizin, Alternativmedizin oder Integrative Medizin häufig genannt. Doch was genau steckt dahinter?
🔹 Komplementärmedizin – Ergänzend zur Schulmedizin
Komplementäre Verfahren werden begleitend zur ärztlich empfohlenen Therapie eingesetzt – also nicht anstelledavon. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, Beschwerden zu lindern und Körper und Seele zu stärken. Beispiele sind:
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Entspannungsverfahren (z. B. Meditation, Atemübungen)
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Bewegungstherapie und Physiotherapie
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Akupunktur zur Linderung von Schmerzen oder Übelkeit
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Kunst-, Musik- oder Aromatherapie
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Psychoonkologische Begleitung
Diese Verfahren gelten in der Regel als sicher, wenn sie abgestimmt mit dem behandelnden Team angewendet werden.
🔹 Alternativmedizin – Risiko statt Ergänzung
Alternativmedizin versteht sich als Ersatz für schulmedizinische Therapien – also z. B. Homöopathie oder energetische Heilmethoden statt einer empfohlenen Chemotherapie. Das kann bei Krebserkrankungen gesundheitlich riskant oder sogar gefährlich sein. Für viele alternativmedizinische Verfahren fehlt zudem der wissenschaftliche Nachweis einer Wirksamkeit.
🔹 Integrative Medizin – das Beste aus zwei Welten
Die Integrative Medizin verbindet moderne schulmedizinische Therapien mit komplementären Verfahren, deren Nutzen gut belegt ist. Sie stellt die gesamte Lebenssituation des Menschen in den Mittelpunkt – also nicht nur die Erkrankung, sondern auch seelisches Wohlbefinden, soziale Aspekte und individuelle Bedürfnisse. Wichtig: Entscheidungen erfolgen immer gemeinsam mit dem ärztlichen Team, auf Basis von Evidenz und persönlicher Situation.
🔹 Unsere Empfehlungen:
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Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie komplementäre Verfahren nutzen.
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Vertrauen Sie auf Methoden mit belegtem Nutzen und achten Sie auf Qualität und Sicherheit.
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Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – weder für noch gegen eine bestimmte Methode.
Naturheilkunde und integrative Verfahren in der Onkologie
Viele Menschen mit Krebs – auch mit Multiplem Myelom – leiden nicht nur unter der Erkrankung selbst, sondern auch unter den Nebenwirkungen der Behandlung: Müdigkeit, Übelkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Schmerzen im Bewegungsapparat können den Alltag stark belasten.
Integrative Medizin kombiniert die konventionelle Krebstherapie mit wissenschaftlich geprüften naturheilkundlichen Verfahren, Bewegung, Achtsamkeit und Ernährung. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, Nebenwirkungen zu lindern und das körperliche und seelische Gleichgewicht zu stärken.
Die neue Broschüre des Krebsverbands Baden-Württemberg bietet praktische Empfehlungen, darunter:
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Übungen zur Bewegungsförderung und Stressabbau
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Tipps bei Fatigue, Magen-Darm-Beschwerden, Schleimhautproblemen und mehr
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Anwendungen aus Phytotherapie, Aromatherapie, Wickeln, Akupressur und Entspannung
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Hinweise auf verträgliche Ernährung und hilfreiche Rituale im Alltag
Auch bei Myelom gilt: Bewegung, Achtsamkeit und passende naturheilkundliche Methoden können wertvolle Begleiter sein – immer abgestimmt auf die individuelle Situation und in Rücksprache mit dem ärztlichen Team.
S3-Leitlinie zu Komplementärmedizin bei Krebs (Stand: 05/2024)
Um den eigenen Körper während einer Krebstherapie zu unterstützen, greift die Hälfte aller Betroffenen auf eine ergänzende Behandlung zurück. Aufgrund der Dynamik im Bereich der komplementären und alternativen Krebsmedizin und auch wegen der hohen Akzeptanz bei Krebsbetroffenen hat das Leitlinienprogramm Onkologie die im Jahr 2021 erstmals veröffentlichte S3-Leitlinie überarbeitet.
Ziel der S3-Leitlinie Komplementärmedizin ist es, Ärzt*innen und weiterem in der Behandlung von Tumorpatient*innen einbezogenem Fachpersonal sowie den Patient*innen selbst evidenzbasierte Empfehlungen für anstehende Therapieentscheidungen zu geben. Die aktualisierte Handlungsempfehlung betrifft Patient*innen während und nach der akuten Therapie sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich.
An der Prüfung und Weiterentwicklung der ausführlichen Handlungsempfehlung arbeiteten Mitglieder aus insgesamt 44 beteiligten Fachgesellschaften und Organisationen mit. Gefördert wurde die Leitlinie von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.
Komplementärmedizin - Was ist evidenzbasiert in der Onkologie?
Viele Tumorpatienten wenden komplementärmedizinische Verfahren an. Deren Wirksamkeit ist häufig nicht eindeutig belegt. Außerdem können vor allem pflanzliche Zubereitungen mit der onkologischen Therapie wechselwirken.
Das medizinische Wörterbuch Pschyrembel definiert Komplementärmedizin als einen Teilbereich der Medizin, der »diagnostische und therapeutische Verfahren umfasst, die ergänzend zur klassischen Schulmedizin eingesetzt werden«. Dass sich komplementärmedizinische Verfahren (CAM: Complementary and Alternative Medicine) in den letzten Jahren zunehmend zu einem integralen Bestandteil der onkologischen Therapie entwickeln, wird auch in der Bezeichnung »Integrative Onkologie« deutlich. Dies ist ein patientenzentriertes, evidenzinformiertes Gebiet der Krebstherapie, das komplementärmedizinische Verfahren begleitend zu den konventionellen Krebs¬therapien einsetzt.
Krebspatienten, die CAM anwenden, haben häufig die Erwartung, dass diese Verfahren ihre eigenen Kräfte und das Immunsystem stärken und sie dabei unterstützen, selbst etwas für sich tun zu können. Tatsächlich wendet fast die Hälfte aller Tumorpatienten in Deutschland (42 Prozent) mindestens ein solches Verfahren an. Allerdings informiert rund ein Viertel der Patienten ihre behandelnden Ärzte nicht darüber. Zudem besteht bei fast einem Drittel der Anwender ein mögliches Risiko für Wechselwirkungen zwischen der konventionellen Tumortherapie und komplementärmedizinischen Verfahren
Diese Zahlen machen deutlich, dass der Bedarf für die Anwendung von CAM bei Krebspatienten hoch ist. Andererseits besteht sowohl bei den Patienten als auch bei den Personenkreisen, die an ihrer Behandlung beteiligt sind, oft eine große Unsicherheit, die nicht zuletzt auch auf mangelnder Kenntnis der Wirksamkeit und Sicherheit dieser Therapieverfahren beruht.
Komplementärmedizin bei Krebserkrankungen
Das Wissen um Vorbeugung, Vor- und Nachsorge sowie Behandlung von Krebserkrankungen erweitert sich rapide. Das therapeutische Spektrum von leitlinienbasierten Behandlungen (z. B. Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, Antihormontherapie, Antikörpertherapie sowie individualisierten Therapiekonzepten) und komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden (z. B. Bewegungstherapie, Ernährungstherapie, psychoonkologischer/psychosozialer Betreuung sowie wirksamkeitsgeprüften medikamentösen Verfahren) ist kurativ für eine Vielzahl von Krebserkrankungen. Eine leitliniengemäße Therapie in spezialisierten Zentren ist demnach ein kurativer Ansatz für etliche Krebserkrankungen!
Auch wenn das kurative Ziel nicht immer erreichbar ist, so können durch leitliniengemäße Therapien etliche Krebskrankheiten in ein chronisches Stadium überführt werden, ohne wesentliche Beeinträchtigung des Wohlbefindens.
Die vorliegende Broschüre enthält unbedenklichkeits- und wirksamkeitsgeprüfte komplementärmedizinische Maßnahmen zur Minderung von Therapienebenwirkungen. Diese reichen von Bewegungstherapie, Ernährungstherapie, psychoonkologischer bzw. psychosozialer Betreuung bis hin zu medikamentösen Behandlungsmetoden. Sie tragen dazu bei, die Lebensqualität zu erhalten und die Standardtherapie zeit- und dosisbezogen optimal verabreichen zu können, was die Heilungschancen verbessert.
Komplementäre Krebstherapie – was ist das?
Viele Krebspatienten möchten ihren Körper schon während der Behandlung auf natürliche Weise stärken und wenden unterstützende Maßnahmen an. Dadurch fühlen sie sich der Krankheit nicht so hilflos ausgeliefert und schöpfen neue Hoffnung. Tatsächlich können komplementäre Methoden ihre Beschwerden lindern, wenn sie auf die Ersttherapie abgestimmt sind. Deshalb sollte das Verfahren immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, um den Therapieerfolg nicht zu gefährden.
Damit Sie Ihren Körper im Falle einer Krebserkrankung optimal unterstützen können, informieren wir Sie in dieser Broschüre über anerkannte Therapieergänzungen bei Krebs. Sie erfahren, was Sie selbst tun können, um Ihren Körper zu stärken und was Sie bei der Wahl einer neuen Therapie oder eines Arztes beachten sollten, um nicht auf falsche Heilsversprechen hereinzufallen.