EHA 2023 - Myelom.Online e. V. im Interview mit Prof. Marc-Steffen Raab
Im Juni fand in Frankfurt der Kongress der European Hematology Association (EHA 2023) statt. Klaus Eisenbeisz (Patient und Vorsitzender von Myelom.Online e. V.) hatte mit Untersützung von patients today die Gelegenheit, mit Prof. Dr. med Marc-Steffen Raab, Sektionsleiter Multiples Myelom an der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg, über verschieden Studien zu sprechen.
- Real-World-Daten einer Bisphosphonat-Behandlung bei Patient:innen mit multiplem Myelom (MM)
- Wirksamkeit, Überleben und Sicherheit von Selinexor, Bortezomib und Dexamethason (SVd) in Patient:innen mit einem Lenalidomid-refraktärem MM: Subgruppen-Daten der Bosten-Studie
- Mezigdomid (MEZI) + Dexamethason (DEX) in Patient:innen mit einem rezidiverten/refraktären multiplen Myelom (RRMM): Ergebnisse der Dosis-Expansions-Phase der CC-92480-MM-001-Studie
- Zweiwöchentliche Gabe von Elranatamab, einem BCMA-CD3-spezifischer Antikörper, bei Patient:innen mit RRMM: Erweitertes Follow-up der MagnetisMM-3-Studie
- Teclistamab (Tec) + Talquetamab (Tal) richten sich gegen BCMA and GPRC5D in Patient:innen mit rezidiviertem/refraktärem multiplen Myelom (RRMM): Erste Ergebnisse der REDIRECTT-1-Studie
- Erste Ergebnisse der Phase-III-Studie CARTITUDE-4: Cilta-cel vs. Standard of Care (PVD or DPD) bei Lenalidomid-refraktärem multiplen Myelom (MM)
- Gegen GPRC5D-gerichtetete CAR-T-Zelltherapie beim rezidivierten/refraktären Multiplen Myelom (RRMM): Phase-1-Studie
90% Erfolgsquote: Forscher präsentieren neue Krebs-Behandlung
Es könnte eine medizinische Revolution sein: Forscher aus Jerusalem haben eine neue Behandlungsmethode für Krebs entwickelt. Mit einer hohen Erfolgschance.
Eine experimentelle Studie, die am Hadassah-Universitätsklinikum in Israel entwickelt wurde, hat offenbar eine Erfolgsquote von 90 % bei der Behandlung von Krebs-Patientenerreicht. Eine medizinische Revolution?
Das Hadassah-University Medical Center bezeichnete die Forschungsergebnisse als beispiellosen Erfolg bei der Behandlung des Multiplen Myeloms – der zweithäufigsten hämatologischen Erkrankung – bekannt gegeben. Das Multiple Myelom macht ein Zehntel aller Blutkrebserkrankungen und 1 % aller bösartigen Erkrankungen aus. Diese Art der Krebserkrankung gilt als besonders aggressiv.
Minimal residual disease: Neues Prognosetool?
Sensitive Verfahren zur Bewertung der minimalen Resterkrankung (MRD) ermöglichen eine genauere Prognose beim Multiplen Myelom. Vor- und Nachteile verschiedener Nachweismethoden und die klinische Bedeutung der MRD.
Nach der Behandlung des Multiplen Myeloms (MM) kann eine geringe Anzahl Krebszellen verbleiben – die minimale Resterkrankung (MRD). Neue Verfahren können diese mit einer hohen Sensitivität erkennen.
Fünf-Wirkstoff-Kombination kann „Ultra-Hochrisiko“-Knochenmarkkrebs aufhalten
Daratumumab, Cyclophosphamid, Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason als Induktions- und erweiterte Konsolidierungsbehandlung verbessert das Behandlungsergebnis bei Multiplem Myelom im Ultra-Hochrisikobereich
Eine innovative Studie (MUK Nine OPTIMUM) hat gezeigt, dass eine Kombination von fünf vorhandenen Medikamenten eine sehr aggressive Art von Knochenmarkkrebs länger in Schach halten kann.
Der neue Cocktail aus fünf Medikamenten und einer Stammzellentransplantation hielt den Krebs bei mehr als drei Vierteln der „Ultra-Hochrisiko“-Myelom-Patienten zweieinhalb Jahre lang unter Kontrolle. Im Vergleich dazu lebte weniger als die Hälfte der Patienten, die die derzeitige Standardtherapie erhielten, so lange, ohne dass ihr Krebs fortschritt.
Warum Antibiotika Krebsimmuntherapien hemmen
Müssen Krebspatienten aufgrund einer Begleiterkrankung mit Antibiotika behandelt werden, sprechen sie schlechter auf eine Immuntherapie gegen den Tumor an. Welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, zeigt eine aktuelle Studie.
Ein internationales Team des Gustave Roussy Cancer Campus in Frankreich und des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) entdeckte, dass bei einer z.B. durch Antibiotika geschädigten Darmflora ein Signalprotein (MAdCAM-1) in seiner Funktion gestört wird, das für den Darm bestimmte Immunzellen ins Darmgewebe schleust. Diese Immunzellen sorgen dort für das Gleichgewicht zwischen Toleranz und Eindämmung der Darmbakterien durch das Immunsystem. Gelangen sie aufgrund des fehlenden Proteins nicht mehr in die Darmschleimhaut und verbleiben im Blutkreislauf, werden sie von Lockstoffen aus dem Gewebe rund um den Tumor angezogen und hemmen dort die Abwehrreaktion des Immunsystems. Damit vermindern sie die Wirkung der Krebsimmuntherapie. Die Ergebnisse könnten zukünftig dazu beitragen, die Erfolgsaussichten von Immuntherapien bei Krebspatienten durch den Aufbau der Darmflora zu verbessern.