
MGUS und Smoldering Multiples Myelom, kurz SMM, sind Begriffe, die vielen Menschen erst nach auffälligen Blutwerten oder einer Knochenmarkuntersuchung begegnen. Beide Zustände gehören zu den sogenannten Plasmazellerkrankungen und können mit einem nachweisbaren monoklonalen Eiweiß, auch M-Protein oder Paraprotein genannt, verbunden sein.
Bei einer Monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz, kurz MGUS, finden sich veränderte Eiweiße im Blut, ohne dass bereits ein behandlungsbedürftiges Multiples Myelom vorliegt. MGUS ist selbst keine Krebserkrankung und verursacht in der Regel keine Beschwerden. Dennoch sind regelmäßige Kontrollen wichtig, weil sich daraus bei einem Teil der Betroffenen im Laufe der Zeit ein Multiples Myelom oder eine andere Erkrankung des blutbildenden Systems entwickeln kann. Die S3-Leitlinie beschreibt MGUS als häufige Vorläuferläsion des Multiplen Myeloms und empfiehlt eine Verlaufskontrolle mit M-Protein und freien Leichtketten im Serum.
Das Smoldering Multiple Myelom wird auch „schwelendes Multiples Myelom“ genannt. Es liegt zwischen MGUS und einem aktiven, behandlungsbedürftigen Multiplen Myelom. Im Vergleich zu MGUS sind meist mehr Plasmazellen im Knochenmark oder höhere M-Protein-Werte nachweisbar. Gleichzeitig fehlen definitionsgemäß typische Organschäden oder Beschwerden, wie sie beim aktiven Myelom auftreten können. Dazu zählen zum Beispiel Blutarmut, Nierenschädigung, erhöhte Kalziumwerte oder Knochenschäden, die häufig als CRAB-Kriterien zusammengefasst werden.
In dieser Rubrik finden Sie verständliche Informationen dazu, was MGUS und SMM bedeuten, wie sie vom aktiven Multiplen Myelom abgegrenzt werden und warum regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig sind. Außerdem erklären wir, welche Begriffe im Arztgespräch häufig vorkommen, welche Untersuchungen zur Einordnung beitragen können und warum nicht jede Vorstufe sofort behandelt werden muss.
MGUS und smoldering multiples Myelom verstehen
Was ist MGUS?
MGUS (ausgesprochen als „EM-gus“) ist ein Akronym für „monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz“, ein Begriff, der 1978 von Professor Emeritus Robert A. Kyle von der Mayo Clinic in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota geprägt wurde. Der Begriff MGUS beschreibt einen gutartigen und asymptomatischen Zustand, der durch ein Zuviel einer bestimmten Art eines Blutproteins („monoklonales Protein“) gekennzeichnet ist, welches von den Zellen des Immunsystems hergestellt und als Plasmazellen bezeichnet wird. MGUS ist kein Krebs oder eine Erkrankung.
Was ist SMM?
Smoldering multiples Myelom (SMM), ein vom Professor Emeritus Philip Greipp der Mayo Clinic im Jahr 1980 geprägter Begriff, beschreibt ein asymptomatisches Zwischenstadium, das zwischen MGUS und einem aktiven Myelom anzusiedeln ist. Dabei ist eine größere Anzahl von Plasmazellen im Knochenmark vorhanden, und der monoklonale Proteinspiegel im Blut ist stärker erhöht als bei MGUS. Wie die MGUS auch schädigt das SMM die Nieren, die roten Blutkörperchen und die Knochen nicht. In anderen Worten: Sie verursacht keine CRAB-Kriterien.
Video: Vorstufen des Multiplen Myelom
Im folgenden Videos gibt Dr.med.univ. Siegfried Sormann von der klinischen Abteilung für Hämatologie an der Medizinischen Universität Graz einen Überblick über die Stadien der Erkrankung Multiples Myelom, im speziellen das häufige Vorstadium, die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS). Welche Untersuchungen zur Abgrenzung gegenüber einem Myelom sind erforderlich? Entwickelt sich aus jedem MGUS ein Myelom? Wie lange kann dieses Vorstadium andauern? Anhand eines aktuellen Falls wird die praktische Vorgangsweise erläutert.
Smoldering Multiples Myelom (SMM)
Beim Smoldering Multiplen Myelom (SMM) – dem schwelenden Multiplen Myelom – handelt es sich um eine asymptomatische proliferative Plasmazellerkrankung, welche im Vergleich zur Monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) mit einem deutlich erhöhten Risiko eines Übergangs in ein symptomatisches bzw. therapiebedürftiges Multiples Myelom (MM) verbunden ist. Basierend auf der erst kürzlich eingeführten 2/20/20-Regel erfolgt die Unterteilung in 3 Progressrisikogruppen unter Berücksichtigung des M-Proteins im Serum, des Plasmazellanteils im Knochenmark und der Ratio aus involvierter und nicht-involvierter freier Leichtkette im Serum. Zugelassene Therapiemöglichkeiten für das SMM bestehen zum aktuellen Zeitpunkt (April 2021) nicht. Im Falle einer Hochrisikokonstellation empfiehlt sich eine Behandlung im Rahmen von klinischen Studien.