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SMM – schwelendes (smoldering) Multiples Myelom

SMM – Schwelendes (Smoldering) Multiples Myelom: verständlich erklärt

Das schwelende Multiple Myelom (SMM) ist eine Vorstufe des behandlungsbedürftigen (aktiven) Multiplen Myeloms. „Schwelend“ bedeutet: Es gibt bereits messbare Zeichen einer Plasmazell-Erkrankung (z. B. M-Protein/Paraproteinund/oder vermehrte klonale Plasmazellen im Knochenmark), aber noch keine typischen Organschäden durch ein aktives Myelom. 

Viele Betroffene haben keine Beschwerden. SMM wird daher häufig zufällig im Rahmen von Blut- oder Urinuntersuchungen entdeckt.

Wie unterscheidet sich SMM von MGUS und aktivem Myelom?

MGUS

  • geringere Krankheitsaktivität, meist weniger M-Protein/Plasmazellen
  • keine Organschäden, meist niedriges Progressionsrisiko

SMM

  • mehr klonale Plasmazellen und/oder höheres M-Protein als bei MGUS
  • weiterhin keine myelomtypischen Organschäden 

Aktives Multiples Myelom

  • liegt vor, wenn Organschäden (CRAB) und/oder bestimmte Hochrisiko-Biomarker („SLiM“) vorhanden sind – dann ist eine Behandlung in der Regel notwendig.

Wann wird aus „schwelend“ ein „aktives“ Myelom?

Ärztliche Teams orientieren sich international an CRAB und SLiM:

CRAB = Organschäden

  • C: erhöhter Kalziumspiegel
  • R: Nierenfunktionsstörung
  • A: Anämie (Blutarmut)
  • B: Knochenschäden (z. B. Knochenherde/Brüche) 

SLiM = Biomarker, die ein sehr hohes Risiko für eine rasche Progression anzeigen
Dazu zählen u. a.:

  • ≥ 60% klonale Plasmazellen im Knochenmark
  • FLC-Ratio ≥ 100 (freie Leichtketten, stark verschoben)
  • > 1 fokale Läsion in der MRT (≥ 5 mm) 

Der Hintergrund: Bei diesen Befunden ist das Risiko hoch, dass ohne Therapie bald Organschäden entstehen – deshalb werden solche Konstellationen heute diagnostisch dem aktiven Myelom zugeordnet.

Wie hoch ist das Risiko, dass SMM fortschreitet?

SMM ist sehr unterschiedlich: Manche Menschen bleiben über viele Jahre stabil, andere entwickeln schneller ein aktives Myelom. In einer großen Studie wurde der durchschnittliche Progressionsverlauf so beschrieben:

  • ca. 10% pro Jahr in den ersten 5 Jahren,
  • danach sinkt das Risiko auf etwa 3% pro Jahr (Jahre 6–10) und später weiter. 

Wichtig: Das sind Durchschnittswerte – für die einzelne Person ist die Risikoeinschätzung entscheidend.

Risikoeinschätzung: die „2/20/20“-Regel (IMWG-Modell)

Um das Progressionsrisiko besser einzuordnen, wird häufig das IMWG 2/20/20-Modell genutzt. Es betrachtet drei leicht messbare Faktoren:

  • M-Protein > 2 g/dL
  • > 20% klonale Plasmazellen im Knochenmark
  • FLC-Ratio > 20 (freie Leichtketten im Blut) 

Je nachdem, wie viele dieser Faktoren vorliegen, wird SMM grob in niedrigeresmittleres oder höheres Risiko eingeteilt. Dieses Modell hilft, Kontrollen sinnvoll zu planen und zu entscheiden, ob eine Studienteilnahme für frühe Therapieansätze infrage kommt.

Welche Untersuchungen und Kontrollen sind bei SMM typisch?

SMM wird häufig zunächst beobachtet („watchful waiting“) – aber aktiv überwacht. Dazu gehören je nach Situation:

  • Blutwerte: Blutbild (Anämie), Nierenwerte, Kalzium
  • Myelom-Parameter: M-Protein (Elektrophorese/Immunfixation), freie Leichtketten
  • Urin: Eiweiß/Leichtketten (bei Bedarf)
  • Bildgebung: z. B. MRT/CT/PET-CT je nach Fragestellung
  • ggf. Knochenmark (z. B. für Risikoeinschätzung/Genetik) 

Wie oft kontrolliert wird, hängt vom individuellen Risiko ab (z. B. anfangs enger, später ggf. weiter). Das legt das behandelnde Team fest.

Wird SMM behandelt?

Viele Betroffene mit SMM werden nicht sofort behandelt, sondern engmaschig kontrolliert – vor allem bei niedrigerem Risiko. Bei hohem Risiko wird zunehmend diskutiert, ob eine frühe Behandlung (häufig im Rahmen von Studien) sinnvoll sein kann, um ein aktives Myelom und Organschäden zu verzögern. In der Praxis ist das Vorgehen unterschiedlich; eine große Befragung zeigte, dass viele Ärztinnen und Ärzte auch bei hohem Risiko eher zurückhaltend sind und nicht routinemäßig außerhalb von Studien behandeln.

Warnzeichen: Wann sollte man sich früher melden?

Bitte sprechen Sie zeitnah mit Ihrem Behandlungsteam, wenn neu auftreten:

  • zunehmende Knochenschmerzen (v. a. Rücken/Rippen) oder Verdacht auf Bruch
  • ausgeprägte Müdigkeit, Blässe, Luftnot (mögliche Anämie)
  • häufige/schwere Infekte oder Fieber
  • Zeichen einer Nierenstörung (z. B. weniger Urin, starke Wassereinlagerungen)
  • starker Durst, Übelkeit, Verwirrtheit (möglicher Kalziumanstieg)

Diese Symptome können viele Ursachen haben – bei SMM sollten sie aber nicht „abgewartet“ werden.


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